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Wiener Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier präsentiert in Österreich seine gelungene Le nozze di Figaro Inszenierung

Eine hervorragende Inszenierung von Wolfgang Gratschmaier begeistert das Opernpublikum in Wien, Salzburg, Schloss Thalheim in Niederösterreich und Graz

Wiener Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier präsentiert in Österreich seine gelungene Le nozze di Figaro Inszenierung

Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier von der Volksoper Wien

Experiment gelungen – Oper lebt! Le nozze di Figaro – Inszenierung setzt mit jungen Sängern und Musikern entscheidende Akzente. Wenn junge engagierte Opernsänger zusammenspielen und das Stück und ihre Rollen durch Vermittlung eines guten Regisseurs wirklich verstanden haben, entsteht auf der Bühne etwas Besonderes. Am 21. September 2017 konnte ein begeistertes Publikum im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses eine besonders muntere Hochzeit des Figaros erleben. So kurzweilig und humorvoll sowie musikalisch aufgeweckt müsste Oper immer sein. Und das mit wenigen Versatzstücken, zeitlosen Kostümen und sogar ohne Chor. Und doch fehlte nichts, denn Langeweile kam bei der Inszenierung der Mozart Oper „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Gratschmaier nicht auf und drei Stunden vergingen bei größtem Vergnügen wie im Fluge. Im Programmheft war zurückhaltend eine halbszenische Aufführung angekündigt. Die Studierenden der Österreichischen Musik-Universitäten und die das Orchester bildenden Mitglieder der Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker agierten in diesem Projekt einfach mustergültig. Gratschmaier bezieht das Orchester und auch den Dirigenten voll in seine Interpretation der Mozartoper ein. Der erfahrene Regisseur vermeidet jedoch alles, was platt oder übertrieben ankommen könnte. Wolfgang Gratschmaier, der als Charaktertenor seit 15 Jahren zum Ensemble der Volksoper gehört, hat Gesang bei Gerhard Kahry und Elisabeth Schwarzkopf studiert. Zudem gehört er zu den wenigen Opernsänger, die beim „Theaterkönig“ George Tabori Schauspiel studierten. Seit vielen Jahren gastiert Wolfgang Gratschmaier weltweit und erarbeitete als Regisseur erfolgreich beispielsweise Wagners Rienzi, Leoncavallos Pagliacci oder die Operette Fledermaus. Gratschmaier ist seit 2015 Dozent für szenische Gestaltung an der MUK Musik und Kunst Privatuniversität Wien.

Der kräftige Sopran von Laura Meenen verfügt über ausreichend Metall, um die dramatische Situation und die stimmlichen Anforderungen der Contessa zu erfüllen. Lediglich ein leichtes Wackeln ließ ihre Stimme im Forte etwas schrill klingen. Demgegenüber gab der schauspielerisch gewandte Kristján Johannesson einen Conte mit großer Stimme, die in den dramatischen Passagen fast schon an Don Pizarro erinnerte. Der Sänger gab den Conte als kaum sensiblen Berserker, was aber für den wütenden Edelmann und unsensiblen Erotomanen rollendeckend ist. Eine leicht nasale Stimmfärbung adelt seinen in allen Lagen hervorragenden Gesang. Ein Höhepunkt des Abends war denn auch die Arie „Hai già vinta la causa“. Hier gab Johannesson „Dem Affen richtig Zucker“ und konnte auch darstellerisch als Opernmacho sehr überzeugen. Von diesem Bariton wird man noch viel hören! Figaro war mit tragkräftigem Organ Minsoo Ahn. Seine Stimme erinnert nicht an lyrische Baritone wie Hermann Prey, sondern er verlieh mit dramatischerer Emphase dem umtriebigen Faktotum gesanglich und darstellerisch viel Gewicht. Eine leichte Höhenschwäche fiel dabei kaum ins Gewicht. Schönstimmig mit gut tragend war die attraktive Mezzosopranistin Ghazal Kazemi. Sie gab einen schwärmerischen Cherubino im Hormonrausch. Was sie an tieferer Grundierung stimmlich vermissen ließ, machte sie durch herausragendes Spiel mehr als Wett. Sie verfügt über einen lyrischen und höhenstarken Mezzosopran, der auch mit berückenden, weich blühenden Piani für sich einnimmt. Aleksandra Szmyd ist eine ernstzunehmende Susanna. Ihr blitzsauberer Sopran erfüllt alle Anforderungen einer lyrischen Gesangsführung. Hier sang keine Soubrette ein Kammerkätzchen, sondern vielmehr eine junge Frau, die ganz genau weiß, was sie will. Ein zweiter gesanglicher Höhepunkt des Abends war Susannas Rosenarie. Bis in die kleineren Rollen war in dieser Produktion eine hervorragende Besetzung gegeben. Als Bartolo agierte Tair Tazhigulov etwas hölzern. Doch stimmlich konnte der junge Bassist auftrumpfen. Marcellina war mit angenehmem Mezzosopran und ausdrucksvollem Spiel Helene Feldbauer. Ihre Stimme hob sich nicht zuletzt durch die tiefere Grundierung angenehm von den anderen Sängerinnen ab. Silbrig schönstimmig sowie attraktiv war Zuzana Spot Ballánová als kecke Barbarina, der man in dieser Rolle eine erotische Ausstrahlung und Stimmfärbung nicht absprechen kann. Basilio und Don Curzio wurde von Tenor Savva Tikhonov rollendeckend mit leichtem lyrischem Tenor intrigant, aber doch eher harmlos gegeben. Ganz im Gegensatz zu Bariton Jakob Mitterrutzner, der den Antonio schauspielerisch überzeugend und stimmlich rollendeckend darbot und immer wieder beim Publikum für höchstes Amüsement sorgte.

Schon in der Ouvertüre zeigt Felix Hornbachner mit seinem hochengagierten Orchester ein zügiges Tempo und klare Akzente. Zuweilen wäre etwas mehr Dämpfung des Orchesters angezeigt gewesen und leichte Intonationsprobleme im Blech zu bemerken. Der hochbegabte Dirigent erreicht mit klarer Zeichengebung praktisch immer, dass Orchester und Solisten beieinander waren und eine mitreißende Interpretation der Partitur präsentierten. Felix Hornbachner absolvierte das Studium als Dirigent von 2011 bis 2015 an der MUK Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und schloss mit Auszeichnung ab. Ab Herbst dieses Jahres ist Hornbachner Chefdirigent des Symphonischen Orchesters Mödling. Die rund 30 jungen Musiker bildeten das Orchester der Angelika Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. Die Sommerakademie wurde 2005 gegründet und findet seitdem jährlich während der Salzburger Festspiele statt. Die Musiker des Orchesters wirken auch als Bühnenmusiker bei den dortigen Opernproduktionen mit. Der Solofagottist der Wiener Philharmoniker Michael Werba hatte die Partitur hervorragend einstudiert und die künstlerische Leitung der Aufführung „Le nozze di Figaro“ inne. Niels Erik Muus, Professor an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, studierte die jungen Sängerinnen und Sänger hervorragend ein. Insgesamt kann die Produktion dieser Mozartoper in der Regie von Wolfgang Gratschmaier, der auch für Licht und Kostüme zuständig war, als in höchstem Maß gelungen beschrieben werden. Das Experiment der Sommerakademie und der MUK ist auch in diesem Jahr gelungen. Es zeigte sich, dass eine kluge Inszenierung mit ambitionierten Sängern einen sprühenden, jungen „Figaro“ ergeben kann, der so an praktisch jeder Bühne aufführbar wäre, wenn ein Orchester zur Verfügung steht, das aus Musikern besteht, die aufeinander hören und aufeinander eingehen. Bravo und in diesem Stil auch im kommenden Jahr weiter so! So bereitet Oper Vergnügen.

Sven-David Müller, Opernkritiker
Berliner Straße 11c, 15517 Fürstenwalde/Spree

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